... oder mein Versuch einer
Objektivierung
Die folgenden Texte enthalten Denkanstösse zu mystifizierten Themen, welche
in unserer Gesellschaft meist unausgesprochen bleiben. Die Texte sollen primär
zum Denken und Diskutieren anregen und stellen keinen Anpruch auf eine abschliessende
Betrachtung der Themenkreise.
Gemeinsamkeiten von Religionen
Die Gemeinsamkeiten der Religionen sind:
1. Die Einsicht, dass unser Schicksal entscheidend durch Mächte und Zusammenhänge
bestimmt ist, die sich weitgehend unserem Zugriff und unserem Verständnis
entziehen.
2. Die Zuversicht, dass wir diesen Faktoren dennoch nicht völlig hilflos
ausgeliefert sind, sondern unsere Aussichten verbessern können, indem wir
sie uns im Rahmen unseres Vorstellungsvermögens vergegenwärtigen und
uns um eine Einflussnahme auf sie bemühen (in Gebeten, Beschwörungen,
Riten und durch Erbringen von Opfer).
3. Die Meinung, dass die Einhaltung bestimmter Verhaltensregeln gegenüber
Mitmenschen und eine bestimmte Lebensführung von Nutzen sind, um Unheil
abzuwenden.
Die Verhaltensregeln, deren Einhaltung als ein übereinstimmendes Anliegen
- wenigstens aller Hochreligionen - erkennbar ist, sind solche, die sich aus
den gemeinsamen psychischen Anlagen aller Menschen und aus den natürlichen
Rahmenbedingungen des menschlichen Lebens ergeben. Dazu gehören all diejenigen,
durch deren Einhaltung Konflikte zwischen Individuen und Gemeinschaften sowie
Schadenfolgen fehlender Vorsicht und Voraussicht in den Beziehungen zur Umwelt
vermieden werden können.
Der Volkswille und das Abstimmungsergebnis
Wie schön ist es doch, dass bei uns das Volk das letzte Wort hat in gewichtigen
Fragen. Somit entscheidet letztendlich der "Volkswille" und es wird
für alle so entschieden, wie es gemäss Majoritätswunsch für
das Volk am besten ist.
Der Ausdruck "Volkswille" erscheint besonders dann grotesk,
wenn man sich einmal genauer überlegt, wie Meinungen gemacht werden, die
sich in Parlamenten und Volksabstimmungen durchsetzten; Parlamentarier richten
ihre Stellungnahme zu komplizierten Vorlagen vertrauensvoll nach Meinungen einzelner
Fraktionskollegen, die sich vermeintlich darin vertieft haben (oder zumindest
sicher auftreten und rhetorisches Geschick zeigen), oder nach Äusserungen
von Experten aus Hochschulen, Verbänden oder Verwaltungen, die ihrer Partei
nahestehen. Das ist auch kaum anders zu machen, weil die sachkundige Beurteilung
solcher Texte umfangreiche Spezialkenntnisse voraussetzt.
Zudem werden die Probleme, die in Abstimmungsvorlagen enthalten sind, von Parteien
oder Interessenorganisationen im Abstimmungs-"kampf" für Plakate
auf emotionell wirksame Schlagwörter und Behauptungen reduziert (LSVA -
Der Bund will uns wieder an den Säckel ... ODER FinÖv - Bahn für
alle). Schliesslich entscheiden sich die Stimmberechtigten dann weitgehend nach
den Empfehlungen interessierter Organisationen oder den Einschätzungen
von Redaktoren der elektronischen Medien und ihres Leibblattes. Zudem kommt
noch hinzu, dass wer "gehört" werden will im wilden "Kampf"
auch noch tief in die Tasche greifen muss, um genug Leute zu erreichen mit seiner
"Empfehlung".
Soll man nicht solches Schlachtengetümmel verbieten und dafür ein
zentrales Informationsforum einrichten, wo jeder gehört wird ohne dafür
den Werbeagenturen Geld nachwerfen zu müssen? Oder regiert bei uns trotz
anderstönenden Beteuerungen nach wie vor das Geld?
Dementsprechend kann das jeweilige Abstimmungsergebnis kein Ergebnis
eines wissenden Willens sein, sondern es ist unvermeidlicherweise stets nur
das Ergebnis von Suggestionen.
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